Die Besonderheiten der PC-Version<\/strong><\/p> Binary Domain verbindet die moderne Action des Westens mit japanischer Bosskampf-Kunst – und schwebt am Ende zwischen allen St\u00fchlen.<\/p><\/div><\/div>
Die Umsetzung \u00fcberzeugt u.a. mit einer sch\u00e4rferen Darstellung und besseren Schatten. Die Spracherkennung funktioniert ebenso gut wie auf Konsole.
Die Steuerung leidet allerdings gerade auf PC unter unbequemen Eigenwilligkeiten wie der Tatsache, dass die Sprinttaste auch der Ausweichrolle und dem In-Deckung-Gehen dient.
W\u00e4hrend man au\u00dferdem viele wichtige Tasten beliebig einstellen darf, sind Spieler ohne Mikrofon auf vorgegebene Tasten zum Ausw\u00e4hlen einer Sprachoption angewiesen. Wer mit den Pfeiltasten l\u00e4uft, muss deshalb f\u00fcr jede Antwort sowie f\u00fcr alle taktischen Befehle auf die linke Seite der Tastatur umgreifen.
Als Grundlage f\u00fcr den Test dient die auf Steam erh\u00e4ltliche Version. Im herk\u00f6mmlichen Handel erscheint die Umsetzung am 18. Mai. \u00a9 4P\/Screenshot<\/div>\n<\/div>\n\u00e4u\u00dferlich \u00e4hnlich sehen: Sie kennen ihre wahre Identit\u00e4t auch selbst nicht – ein Versto\u00df gegen das Gesetz zum Schutz der Menschenrechte und der Weckruf f\u00fcr Dan Marshall.
Starres Wachs<\/strong>
Dan ist jener Esprit-befreite Marine, den man in knapp zehn Stunden Daueraction verk\u00f6rpert. Was nach mehr klingt, als es ist. Denn unter Dauer verstehen die Entwickler vor allem eins: viele, viele, viele Roboter. Es hilft nicht gerade, dass sich die Masse der zweibeinigen Metallgerippe nur farblich unterscheidet. Es hilft erst recht nicht, dass fast alle Maschinen ohne echten Angriffsplan, aber zu Dutzenden aus den Ecken st\u00fcrmen. Obwohl die einen aus der Ferne schie\u00dfen, die anderen ein schweres MG tragen, sich hinter Schilden verstecken oder schnell den Nahkampf suchen, wiederholen sich die Wiederholungen des Immergleichen. Der Vorteil ist die unaufh\u00f6rliche Action. Der Nachteil: das schnelle Sattsehen.
Vor allem technisch zeigen sich Risse, weil viele Kulissen aus graubraunen Metall- oder Steinw\u00e4nden bestehen. Manche Schaupl\u00e4tze wurden mit einem Auge f\u00fcrs Detail erschaffen und in der Ferne entdeckt man tolle Panoramen. Die Action findet aber meist in einfarbigen Gassen statt. Den Gesichtern sieht man zudem ihre Yakuza-Herkunft an: Wie Wachsfiguren gl\u00e4nzen die Poren und viele Bewegungen wirken vergleichsweise steif.
Br\u00fcchig statt futuristisch<\/strong>
Die Entwickler bem\u00fchen sich: Man merkt, wie sehr sie Binary Domain neben den westlichen Blockbustern platzieren wollen. Knopfdruck-Deckung, der Blick \u00fcber die nahe rechte Schulter sowie Reaktionsspiele verschmelzen zum Prototypen des modernen Shooters. So ganz erreicht man deren Eleganz allerdings nie. Dan geht etwa in Deckung, w\u00e4hrend man in der N\u00e4he einer Mauer die Sprinttaste dr\u00fcckt. So hockt er pl\u00f6tzlich neben einem Sims, an\n<\/figure>\n
Selbst die Mehrspieler-Gefechte wirken wie Zugest\u00e4ndnisse an den Soll, nicht wie eigenst\u00e4ndige Entwicklungen. Denn entweder verteidigt man im Team ein Gebiet gegen immer st\u00e4rkere Angriffswellen oder man zieht gegeneinander – jeder f\u00fcr sich oder als Teil eines Teams – in den Kampf. Ob Deathmatch, Capture the Flag, Domination: Mit den richtigen Partnern ist das Onlinematch packend. Trotz der vielen Wiederholungen und uns\u00e4glich pubert\u00e4rer Dialogbrocken ist das Solospiel allerdings bedeutend spannender.
Verdammt!<\/strong>
Immerhin gewinnt Yakuza Studio der gew\u00f6hnlichen Action eine neue Seite ab, denn Dan kann sich mit seinen Kameraden unterhalten. Genauer gesagt ist es der Spieler, der den\n<\/figure>\n
Bedauerlich, dass die Action ebenso gut ohne die Anweisungen auskommt. Zum einen verstehen die Kameraden nur rudiment\u00e4re Befehle wie “Angreifen!” oder “Zu mir!” und zum anderen halten sie sich ohnehin nicht an jede Direktive. Es ist ein starres System, bei dem man hin und wieder einen von wenigen Befehlen spricht. So richtig sp\u00fcrbar wird diese Starre, wenn man auf speziell inszenierte Fragen reagiert: Dann ist man auf eine so kleine Anzahl Begriffe gebunden, dass Dan viele Fragen zur Entwicklung der Ereignisse mit “Verdammt” beantworten muss und man gar nicht wei\u00df, was er damit eigentlich ausdr\u00fcckt.
Zum Gl\u00fcck darf man jederzeit auf den Einsatz des Headsets verzichten und alle Eingaben am Gamepad vornehmen – was die scheinbar zusammenhangslosen Antworten nat\u00fcrlich nicht aus dem Weg r\u00e4umt. Erst dann bemerkt man allerdings auch, wie gut es trotz der \u00fcberschaubaren Vielfalt tut, dass Mitstreiter auf gesprochene Befehle reagieren oder ihrem \u00c4rger nach einem “Du Idiot!” Luft verschaffen. Sie eilen Dan auf Kommando zu Hilfe und freuen sich \u00fcber “Gute Arbeit!”. So \u00f6ffnet Binary Domain zumindest ein kleines Fenster in die Zukunft. Eine Zukunft, in der man sich ohne starre Dialogoptionen unterhalten kann. Eine Zukunft, in der Worte und Taten echte Konsequenzen haben.
Den Kopf verdreht<\/strong>
Taktik kommt auch da zu kurz, wo man durch Absch\u00fcsse oder Kopftreffer erhaltenes Geld besser in die Hauptfigur steckt, anstatt Waffen und Ausr\u00fcstung der Kameraden aufzuwerten: Bei seinen Mitstreitern wirken sich die teuren Erweiterungen kaum aus, weil sie zu zaghaft ins Kampfgeschehen eingreifen. Aus diesem Grund spielt auch das Beziehungsgeflecht im Team nur eine untergeordnete Rolle. [GUI_PLAYER(ID=85282,width=377,text=Die Mehrspieler-Gefechte im Detail. Mehr als gewohnte Kost darf man hier nicht erwarten. )] Ein wohl gesonnener Mitstreiter, der mit Dans F\u00e4higkeiten im Kampf und seinen Antworten auf die gelegentlichen Fragen zufrieden ist, bietet zwar seine Hilfe an, w\u00e4hrend sich ein m\u00fcrrischer eher zur\u00fcckh\u00e4lt – die Auswirkungen sind jedoch kaum sp\u00fcrbar. Da die Beziehungen f\u00fcr die geradlinige Handlung \u00e4hnlich bedeutungslos sind, ist die Kommunikation eher Spielerei als Spiel.
Nur wenn man \u00fcber Dans Kimme Roboter aufs Korn nimmt, gibt es eine taktische Komponente, denn verschiedene Trefferzonen verursachen unterschiedlichen Schaden. So fallen die Metallb\u00fcchsen nach einem Kopftreffer nicht einfach um, sondern wenden sich gegen ihre eigene Truppe. Schie\u00dft man ihnen die Beine weg, fallen sie hingegen auf den Boden – manche kriechen oder humpeln kurz darauf allerdings weiter. Es kann also passieren, dass man sich pl\u00f6tzlich nicht bewegen kann, weil ein halber “Terminator” unbemerkt heran kriecht und ein Bein packt. Erst ein Schuss aus der Pistole gibt der Weglaufsperre den Rest. Besonders schwere Feinde sind hingegen selbst als humpelnde “Zombies” noch eine echte Gefahr. Es sind coole Nuancen im eint\u00f6nigen Einerlei.
Der eiserne Jurassik Park<\/strong>
H\u00e4tten die Entwickler lediglich auf das massive Roboterschlachten gesetzt, k\u00f6nnte sich Binary Domain nur im belanglosen Mittelfeld mit Tendenz zum Abrutschen halten. Doch die Japaner lockern den SciFi-Trip immer wieder mit Szenen wie der Fahrt auf einem Speedboot, dem Steuern eines gro\u00dfen Mechs oder dem Tauchen durchs Meer gleich zu Beginn auf. Immer dann, wenn die Action wieder ihren Schwung verliert, sitzt man pl\u00f6tzlich in einer hei\u00dfen Verfolgungsjagd.
Klasse, wie die Entwickler die Hatz \u00fcber eine Stadtautobahn inszenieren: Ein sechs Fahrspuren breiter und genau so hoher Roboter prescht dem Kleinbus mit Dan und seinem Team hinterher, schie\u00dft Raketen auf das Vehikel, w\u00e4hrend links und rechts gew\u00f6hnliche Gegner weiter feuern. Was der dr\u00f6gen Kulisse fehlt, das kracht, qualmt und poltert um den blechernen Giganten herum – es ist kein bahnbrechendes, aber ein fulminantes Feuerwerk. Und es ist nicht das einzige. Tats\u00e4chlich ist es bemerkenswert, wie viele mechanische Riesen\n<\/figure>\n
Nur ein Blinzeln<\/strong>
Gleich in den ersten Stunden begegnet man einer Riesenspinne, die etliche Stockwerke in die H\u00f6he ragt: Entweder bek\u00e4mpft man direkt ihren versteckten wunden Punkt am Bauch oder man zerschie\u00dft ein Bein nach dem anderen. Mit cleveren Angriffen h\u00e4lt der gigantische Roboter Dan in Schach, der st\u00e4ndig auf der Suche nach Munition ist. Die Spinne selbst springt eklig naturgetreu \u00fcber den gro\u00dfen Platz oder klettert an H\u00e4usern empor. \u00dcber die westliche Action m\u00f6gen die Japaner stolpern. Bossk\u00e4mpfe aber, die beherrschen sie aus dem Effeff!
\u00dcberhaupt ist es die Inszenierung, mit der Binary Domain punktet. Eine \u00fcberraschende Szene gleich zu Beginn zeigt die St\u00e4rken der Handlung und der routinierten Regisseure: In der Momentaufnahme gelingen ihnen trotz der technischen Schw\u00e4chen \u00fcberzeugende Gesichter in glaubw\u00fcrdigen Dialogen. Manches Blinzeln wirkt so echt, dass man den Schauspieler hinter der digitalen Maske erkennt, einige Sequenzen w\u00fcrden selbst auf der Leinwand funktionieren und im Finale ziehen die Autoren endlich alle Register. Die spielerische Dramaturgie h\u00e4lt das Tempo so hoch, dass man ihr die zahllosen Roboter-Schlangen beinahe nachsieht. Und der erz\u00e4hlerische Kniff kurz vor Schluss ist so gelungen, dass er die plumpen Charakterzeichnungen fast vergessen macht.\nFazit<\/strong><\/h3>Schade, dass Dan seine Mitstreiter nicht taktisch delegieren kann. Schade, dass er tausende Patronen in einf\u00e4ltigen Metallgerippen versenken muss. Schade, dass er und seine Begleiter pubert\u00e4re Jugendsprache zitieren. Schade, dass sich das Beziehungsgeflecht auf ein oberfl\u00e4chliches Ja\/Nein-Spiel beschr\u00e4nkt. Schade, dass Binary Domain alles sein will – aber nur die H\u00e4lfte sein kann. Vielleicht h\u00e4tte es die gute Spracherkennung opfern sollen, um wichtige Aspekte zu st\u00e4rken. Denn dort, wo es die Action eines Gears of War nachahmt, fehlt ihm die grafische Wucht der Moderne. Der PC-Umsetzung fehlt au\u00dferdem eine dem System angepasste Steuerung sowie eine vollst\u00e4ndig einstellbare Tastaturbelegung. Dem Spiel fehlen taktische Feinheiten, die mehr verlangen als den Schuss aus der Deckung und gelegentliche Stellungswechsel. Und ihm fehlt die spannende Erz\u00e4hlweise abseits japanischer und westlicher Klischeekisten. Dabei ist es gerade die Verbindung von Ost und West, die es am st\u00e4rksten macht. Denn wann immer es den Deckungskampf verl\u00e4sst und ein Gefecht gegen gigantische oder blitzschnelle Roboter inszeniert, entsteht ein packender Showdown. Wann immer eine Verfolgungsjagd den monotonen Kugelhagel unterbricht, gewinnt die Action an Schwung. Und wenn die japanischen Autoren schlie\u00dflich ihre Geschichte erz\u00e4hlen d\u00fcrfen, w\u00e4chst sie endlich \u00fcber “Gears of Blade Runner” hinaus. Binary Domain verbindet die japanische Qualit\u00e4t des Bosskampfes mit der westlichen Schule des modernen Shooters. Schade, dass die fern\u00f6stliche Spielekunst gerade deshalb verw\u00e4ssert wird.<\/div><\/div>
Wertung<\/strong><\/h3>
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